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Jenseits des Echos - ein Ukrainisches Tagebuch

- - Forum (Studio)

Foto: Volker Beushausen

Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung NRW

Jenseits des Echos - ein Ukrainisches Tagebuch

 

Westfälisches Landestheater

Inszenierung: Christian ScholzeAusstattung: Anja Müller. Mit OLESIA Mirka RitterNACHRICHTENSPRECHER U.A. Wolfgang Wirringa


Im März 2022 bekam das Westfälische Landestheater ein Flucht-Tagebuch der Ukrainerin Olesia Iavorska, die mit ihren zwei Kindern gerade ihr Land verlassen hatte. Kurzfristig entschlossen sich WLT und Dramaturg Christian Scholze dieses Tagebuch als Zwei-Personen-Stück zu bearbeiten und zu inszenieren.

Hier ein Trailer zu der Produktion, die erst Ende Mai 2022 Uraufführung hatte: Trailer Jenseits des Echos - Ein ukrainisches Tagebuch - YouTube

 

Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, liegt im Nordosten des Landes nur knapp 40 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. In der Nähe lebt Olesia Iavorska mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern, die drei und acht Jahre alt sind. Als der Krieg ausbricht, bleibt die Familie zunächst dort. „Am ersten Tag glaubte ich noch an ein Missverständnis. Ein Albtraum, aus dem wir morgen erwachen. Am zweiten Tag dachte ich schon, dass sie uns töten werden. Es war schlimm, in der Mitte der Ereignisse zu sein, ohne zu wissen, was passiert oder wer kommt. Man wird bombardiert und erfährt nichts“, berichtet Olesia Iavorska über den Kriegsbeginn.

Nach zehn Tagen ist die Lebensgefahr so groß, dass sie mit ihren Kindern quer durchs Land flieht. Ihren Mann muss sie zurücklassen. Die Kriegstage in Charkiw und die Tage der Flucht hat Olesia Iavorska in ihrem Tagebuch dokumentiert. Offizielle Nachrichten, Aufenthalte im Schutzkeller, angstvolles Lauschen auf Bomben, Sorge um die Kinder, das Gefühl von Hilflosigkeit, Chatverläufe mit Freunden in der Ukraine und in Russland, Erlebnisse mit anderen Menschen – ihre Erfahrungen und Gedanken verdichtet Olesia Iavorska zu berührenden Texten, die auf der Bühne zu einer Mischung aus szenischer Lesung und Dokumentartheater werden. „Ich freue mich über die Möglichkeit, dieses Theaterstück zu realisieren. Bei Nachrichten, die man im Fernsehen verfolgt, ist immer ein Bildschirm dazwischen, der eine Distanz zu den Bildern erzeugt. Das Theater bietet immer eine unmittelbare Nähe“, so Olesia beim Probenstart, bei dem die Ukrainerin offen und berührend über ihre Erlebnisse sprach. „Charkiw ist eine russischsprachige Stadt, nun will aber keiner mehr dort Russisch sprechen. Ich denke, dass Putin erwartet hat, dass wir ihn willkommen heißen, aber das Gegenteil ist der Fall. Der Krieg hat die Ukrainer noch näher zusammengebracht. Am ersten Tag des Krieges war die Schlange zum Blutspenden länger als vor den Lebensmittelgeschäften.“

Olesia Iavorska wurde in Dresden geboren, verbrachte ihre Kindheit dort und in Russland. Sie machte zuerst eine Ausbildung als Übersetzerin und Deutschlehrerin, studierte dann Medien und Kommunikation in Deutschland (als DAAD-Studentin) und in der Ukraine. Zurzeit ist sie als Methodikerin und Narrative Game Designerin bei einem ukrainischen IT-Unternehmen tätig, für das sie u.a. Entwicklungsspiele für Kinder kreiert. Zusätzlich gibt sie seit ihrer Ankunft in Deutschland Sprachkurse für die ukrainischen Flüchtlinge. 

 

Gefördert durch das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW sowie die Landeszentrale für politische Bildung NRW.

 

Vorstellungsdauer: bis ca. 21:00 Uhr ohne Pause. Publikumsgespräch mit den Autoren im Anschluss an die Vorstellung.

 

Triggerwarnung, übernommen von der Website des Westfälischen Landestheaters:
Der Krieg in der Ukraine ist geprägt von unfassbaren Grausamkeiten insbesondere gegenüber der Zivilbevölkerung. In unserer Produktion gibt es Beschreibungen von zutiefst verstörenden, sehr grausamen Ereignissen. Vergewaltigungen, Folterungen, Morde sind in einer Weise Teil des Krieges, wie wir sie uns kaum vorstellen können. Die beschriebenen Ereignisse sind schwer zu ertragen, aber sie waren und sind alltäglicher Teil des Lebens von Olesia Iavorska. Wir (das Westfälische Landestheater, Anm. d. Red.) haben die Quellen so gut wir konnten auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft.