Die Känguru-Chroniken

- - Festhalle Opladen

Foto: Martin Büttner

Bühnenstück von Marc-Uwe Kling nach seinem Buch

Burghofbühne Dinslaken
Inszenierung und Bühne: Mirco Schombert; Kostüme: Sandra Nienhaus
Mit Julia Sylvester (Känguru), Patric Welzbacher (Kleinkünstler), Markus Penne (Herta, u.a. Rollen), Jan Exner (Musiker)

Marc-Uwe lebt in einer kleinen Zweizimmerwohnung, trägt um 13 Uhr noch Pyjama, sinniert über das Leben, schreibt Lieder und Geschichten – „Kleinkünstler“ also, schlussfolgert das Känguru, das sich eigentlich nur Eier für Pfannkuchen borgen will und dann gleich einzieht. Wenig später liegt das Känguru in der Hängematte, vertilgt Schnapspralinen und erzählt von seiner Vergangenheit beim Vietcong und von seinem Hang zum Klassenkampf – „Ich bin Kommunist! Was dagegen?“ Eine Abwechslung vom anstrengenden Alltag bieten die Besuche „Bei Herta“ in der gleichnamigen Eckkneipe. Hier diskutieren sie über alle wirklich drängenden Fragen unserer Zeit: Ist das Liegen in einer Hängematte schon passiver Widerstand oder einfach nur unproduktiv? Ist die Parole „Nazis raus“ tragbar oder muss man sich vielmehr mit den Folgefragen wie „Wohin raus?“ und „Bin ich dann nicht selbst ein Rassist?“ beschäftigen? Kann man die Griechenland-Krise lösen, indem einfach alle behaupten, dass Griechenland keine Schulden mehr hat? (Sozusagen „QuerDenken“ schlechthin!)

Mit seinen Bestsellern über das Känguru und den Kleinkünstler hat der Autor, Liedermacher und Kabarettist Marc-Uwe Kling längst Kult-Status erreicht. Von kabarettistisch-böse bis liebevoll-ironisch, frech und komisch führt das ungleiche Paar vor Augen, in was für einer absurden Welt wir eigentlich leben. Dabei pfeift Marc-Uwe Kling herrlich respektlos auf jegliche „political correctness“. Seine eigene Bühnenfassung, die Intendant Marco Schombert schön schräg mit dem Ensemble der Burghofbühne inszenierte, macht die Figuren jetzt auch für das Theater erlebbar – ein großes Vergnügen zwischen grobem Klamauk und subtilem Wortwitz.