50 Jahre Forum – das Auftaktwochenende

Es ist uns ein Fest, liebes Publikum: Das Forum feiert in der Saison 2019/2020 seinen 50. Geburtstag. An drei Tagen erwartet Sie ein vielfältiges und fröhliches Programm – für treue Besucher und neugierige Entdecker.

Freitag, 13. September 2019 - Zirkustheater & HipHop

Zirkustheater & HipHop

Der Zirkus ist im Theater angekommen, das Graffito in der Kunst. Dieser Abend zeigt die Vielseitigkeit von Kunst – voller Virtuosität und Kreativität. 
 

Die Künstlergruppe Compañía de Circo „eia“ aus Barcelona präsentiert ihr Stück “inTarsi”. Es vereint Bewegungstheater, Akrobatik und Tanz auf atemberaubende Weise. Auf der Bühne eine Scheibe, auf ihr vier Akrobaten zwischen Mut und Wahnsinn: In Windeseile werden die hölzernen Elemente mal als schräge Wand zusammengesetzt, verwandelt in ein Schleuderbrett, ein Klettergestell oder ein kleines Karussell. Das Spiel mit Formen, erinnert an die puristische Luftigkeit der sechseckigen Forum-Architektur. 
 

Zur Begrüßung stimmen die Künstler des HipHop Mobils aus dem Haus der Jugend auf die Veranstaltung ein. Sechs Graffitikünstler gestalten ab 18:15 Uhr auf dem Forum-Vorplatz großformatige Leinwände. Die Aktion wird von einem DJ musikalisch begleitet und das Publikum erlebt live, wie diese urbane Kunst entsteht. Ebenfalls auf dem Vorplatz gibt es Vorführungen auf einem Bewegungs-Parcours. Das macht neugierig auf den folgenden Familien-Sonntag im Forum, wenn der Kletterspaß für alle da ist. So locker und leicht steigen wir ein ins Forum-Fest-Wochenende.
 

“inTarsi” Bewegungstheater, Akrobatik und Tanz aus Barcelona
Compañía de Circo „eia“ 

Freitag 13. September 2019 
19:30 Uhr, Forum 
Großer Saal 

Tickets im Kartenbüro des Forums oder hier bequem online bestellen.

Schüler- und Wahl-Abo 1A

Freiverkauf: 13,00 € bis 25,50 €

Samstag, 14. September 2019 - Gala & Talk

Gala & Talk

Wir rollen den roten Teppich aus – für 50 Jahre Kultur und kulturelle Bildung. Schauspiel, Tanz, Musik, Kabarett, Ausstellungen, Vorträge und Kurse haben den Menschen in Leverkusen ganz individuelle Impulse gegeben. Und das soll auch in Zukunft gelingen. Darum heißt es heute: Blick zurück nach vorn.
 

Im Zentrum des Auftaktwochenendes steht die Gala im Terrassensaal des Forums, bei der keineswegs edelste Abendgarderobe gefragt ist (wer will, kann natürlich gerne!), sondern vor allem große Neugier und ausgelassene Festlaune. Langeweile kommt bei dem unterhaltsamen Mix, moderiert von Oli Materlik, garantiert nicht auf. 

 

Interessante und wichtige Momente der Forum-Geschichte leben durch Zeitzeug_innen und Weggefährt_innen in Talkrunden auf. Unter anderem dabei: Forum-Architekt Ulrich von Altenstadt,  Kabarettist Wilfried Schmickler, der musikalische Leiter der Westdeutschen Sinfonia Leverkusen Dirk Joeres, Comedy-Star Ralf Schmitz, Höhner-Frontmann Henning Krautmacher und viele andere.

 

Bisher nie gezeigte Videos und Fotos aus den Archiven der Stadt lassen 50 Jahre Forum-Geschichte lebendig werden. Und auch die Frizzles werden sich in ihren Impro-Comedy-Szenen mit der Vergangenheit des Hauses befassen. Die Band Swing-Ticket begleitet Tanz- aber auch Quasselwütige bis in die späten Stunden.


 
Samstag, 14. September 2019
19:30 Uhr, Forum
Terrassensaal 
Einlass: 18:30 Uhr
 

Tickets im Kartenbüro des Forums oder hier bequem online bestellen.

Sonntag, 15. September 2019 - Clownerie & Familie

Clownerie & Familie


Das Forum erkunden? Herzlich willkommen! Am Sonntag gehört das Forum der Familie und zeigt auf allen Ebenen, was es kann.
 

Im Studio feiert die belgische “Compagnie Krak” mit poetischer Clownerie den 50. Geburtstag des Forums. In ihrem Stück “Viva Victor” dreht sich die bezaubernde und komische Show um das Geburtstagskind Victor … Mehr wird nicht verraten. 
 

Der sechseckige Agam-Saal im ersten Stock ist ein begehbares Kunstwerk: Die farbigen Paneele der Wände bilden je nach Position des Betrachters unterschiedliche Grafiken. Ein besonderer Ort für das Musical "Somewhere, there´s a place to be" – dargeboten von Schülerinnen und Schülern der Musikschule Leverkusen unter musikalischer Leitung von Camille van Lunen und der tänzerischen Leitung von Helene Krassa. 
 

Bühnenführungen, Erläuterung der Rauminstallation im Agam-Saal, historische Filmdokumente im Kinosaal, Bewegungs-Parcour auf dem Vorplatz: junge, frische Kultur erlebt man hier ganz unkompliziert. 
 

Sonntag, 15. September 2019
ab 10:30 Uhr, Forum

 

Tickets im Kartenbüro des Forums oder hier bequem online bestellen.

 

Vorstellung “Viva Victor”:

11:00 und 16:00 Uhr, Studiobühne

Freiverkauf 5,00 €/7,00 €

Familienkarte: 20,00 € (zwei Erwachsene und zwei Kinder unter 14 Jahren) 

 

Der Eintritt für die folgenden Veranstaltungen ist frei:

 

Musical “Somewhere, there’s a place to be

15:00 Uhr, Agam-Saal

 

“Auf dem Weg in die Zukunft”, Leverkusen-Film

11:00 Bis 18 Uhr nonstop, Kommunales Kino

 

Bewegungs-Parcours

12:00 bis 17:45 Uhr, Forum-Vorplatz

 

Bühnenführung*

12:30 und 14:00 Uhr, Treffpunkt: Forum-Information

*Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt. Kostenlose Tickets können unter ticketskulturstadtlev.de gebucht werden und ein Kontingent wird an der Tageskasse erhältlich sein.  

FORUM-Geschichte(n)

Forum-Geschichte(n) – das Forum wird 50 und zum Jubiläum haben wir ein paar besondere Erinnerungen gesammelt. Menschen, die das Forum und seine Kultur möglich machen, erzählen.

Forum-Geschichte(n) #1
Ein besonderer Spielplatz: Das Forum für Kinder und Jugend

Unbefangen erkunden Kinder das Forum. Sie fluten den Vorplatz und stürmen ins Foyer. Die Architektur scheint wie gemacht für Kulturentdecker mit viel Bewegungsdrang. Es gibt Platz. Filigrane Kristalllüster oder gedrechselte Brokatbänke fehlen – zum Glück. Im sachlich gestalteten Interieur funkelt und schimmert die Kultur selbst!

 

Kinder und Kultur – im Forum Leverkusen finden sie spielend leicht zusammen. An diesem Erfolg sind übrigens auch Hostessen und Hosts beteiligt. Geduldig und ruhig stehen sie den Pädagogen zur Seite und geleiten die dynamischen Schülerinnen und Schüler zu ihren Plätzen.

 

Viele junge Menschen kommen zum ersten Mal im Rahmen einer Schulveranstaltung mit solch einer Kulturstätte sowie Tanz, Gesang und Theater in Berührung. Andere sind schon Dauergäste. Alle sollen sich so wohlfühlen, dass die junge Seele berührt wird – Kultur für Kinder und Jugendliche erfüllt einen besonderen Bildungsauftrag. 

 

Unterricht erlebt im digitalen Zeitalter einen tiefgehenden Wandel: Das interaktive Display ersetzt Kreide und Tafel, bindet Smartphone und Tablet der Schüler ein, frontal löst sich auf in modular … Bildung wird neu inszeniert. Bewegte Bilder, Töne, ein Strom an Informationen begleiten die Wirklichkeit von Kindern und Jugendlichen. 

 

Das Forum gibt Raum für Reflektion. Die jungen Besucherinnen und Besucher sind gefesselt: Da spielen, singen, tanzen echte Menschen! Deren Mut, Professionalität und Anstrengung dringt vor ins jugendliche Publikum. Stücke zum Thema Cybermobbing schlagen geschickt die Brücke zur Wirklichkeit und geben Raum für Diskussionen. Sich wegträumen ist genauso möglich, wie auch sich auseinanderzusetzen. Immer wieder gibt es im Anschluss an die Vorstellung den Dialog mit Ensemble und Regie. 

 

Im Rahmen von Schulaufführungen und Abi-Bällen sind die jungen Menschen selbst Darsteller und inszenieren ihre Vorstellungen – im doppelten Sinn des Wortes. Und manchmal werden auf der Bühne Träume wahr. So hatten sich die Mitglieder der Tanzgruppe „Traumtänzer“ – eine Initiative der Lebenshilfe Leverkusen e.V. – gewünscht, einmal auf dieser großen Forum-Bühne agieren zu dürfen. Diese Stunden wurden zum unvergesslichen Erlebnis voll großer Freude – für die Menschen mit geistiger Behinderung wie das Forum-Team.  

 

Bleiben wir beim Tanz: Manchmal ist die Bühne des Forums ein Sprungbrett für die große Karriere. Der Tänzer und Choreograf Philippe Kratz trat auch hier zum ersten Mal ins Rampenlicht. Das Talent des 1985 geborenen Leverkuseners hatten Helena Krassa in ihrer Ballettschule und Suheyla Ferwer, die künstlerische Leiterin des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums, früh erkannt und gefördert. Heute gehört Kratz zu den Hoffnungsträgern der Choreografie … der Jugend gehört die Zukunft.

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Biggi Hürtgen. Die Diplom-Verwaltungswirtin kümmert sich als Betriebsleiterin um die Bereiche Forum, Kulturbüro, Museum Morsbroich, Volkshochschule, Stadtbibliothek, Stadtarchiv und Musikschule. Sie hat dabei nicht nur die Zahlen und wirtschaftlichen Ziele im Blick, sondern spannt mit ihren Teams den großen kulturellen Bogen der Stadt Leverkusen. 

 

Schon als Kind besuchte Biggi Hürtgen die Tanz- und Theatervorführungen im Forum – immer wenn eine Karte des elterlichen Abonnements nicht genutzt wurde, durfte sie einspringen. „Früher traf man die Darsteller nach der Vorstellung in der Restauration. Da durfte ich auch dabei sein und diese Nähe war toll. Die Künstler strahlten auch nach der Anstrengung eine besondere Energie aus. Das fasziniert mich bis heute“, erklärt eine Frau, die Kultur mit Struktur betreibt. 
 

Forum-Geschichte(n) #2
Das Forum beweist Format – der ehemalige Dramaturg Dr. Bilstein erinnert sich

„In diesem Papageienkäfig trete ich nicht auf!“, rief Will Quadflieg, als man ihm den Agam-Saal als Ort für seine Lesung vorstellte. ‚Starkes Stück’, möchte man sagen, handelt es sich doch um eine Rauminstallation von hohem künstlerischem Wert. Dramaturg Dr. Michael Bilstein nahm es gelassen. Er verstand, dass die „bewegende“ Wandgestaltung den Vortragskünstler ablenken würde. Quadflieg brauchte nicht nur akustische sondern auch visuelle Ruhe. Der Dramaturg bot den Kinosaal als Alternative an – der renommierte Schauspieler war zufrieden, der Abend gelungen. 

 

 

Dr. Bilstein agierte in den Jahren 1972 bis 2000 als Dramaturg im Forum. Zunächst als Einzelkämpfer – da war er Mitglied einer Gruppe von Verwaltungsfachleuten und allein für die inhaltliche Ausrichtung des Gastspielhauses verantwortlich. In brenzligen Situationen fanden auch seine Kollegen kreative Lösungen. Beispielsweise als „Die Ratten“, Drama von Gerhart Hauptmann, auf dem Programm stand. In einer der Hauptrollen: Günter Lamprecht. Das Haus war voll, aber die Technik noch nicht am Start. Fünf Stunden warteten die Besucherinnen und Besucher geduldig, unter anderem weil Verwaltungsfachmann Helmut Nonnenkamp die Wartezeit mit dem Spiel eines Leierkastens überbrückte. Auch Erbsensuppe wurde gereicht, sagt man, bis sich der Vorhang endlich hob.

 

So ruhig, wie Dr. Bilstein heute seine Erinnerungen teilt, ging er aufregende Situationen an. Da gab es eine vergessliche Sopranistin. Sie war gebucht für die Operette „Der Zigeunerbaron“ von Johann Strauss (Sohn). Man wartete und wartete in Leverkusen und sie saß gemütlich in ihrem Haus. Was tun? Für die Anreise war es zu spät. Also wurde die Sängerin Gerlinde Lorenz angerufen. Sie hatte die Rolle schon gegeben und lebte quasi um die Ecke, im Bergischen Land. Heute unvorstellbar: Mittels Festnetzanschluss gelang der Kontakt, sie rauschte ins Forum und rettete die Vorstellung.  

 

Unvergesslich: Peter Zadeks Inszenierung des „Othello“.Seine Shakespeare-Interpretation kam vor der offiziellen Premiere im April 1976 am Deutschen Schauspielhaus Hamburger im Forum zur Aufführung. Ein rasender Ulrich Wildgruber als Othello und eine intensive Eva Mattes als Desdemona. So was hatte man noch nicht gesehen! Bravo und Buh gaben sich ein Duell, während die Kompanie wacker weiter spielte. Heute wissen wir: Das Forum hat mit diesem Gastspiel Theatergeschichte geschrieben. 

 

Die räumlichen Möglichkeiten des Forums sowie Mut und Feinsinn seiner Dramaturgen beweisen bis heute in jeder Hinsicht Format.

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Dr. Michael Bilstein. Der Leverkusener studierte in Berlin Publizistik, Germanistik und Theaterwissenschaften. Er promovierte über die Schauspielerin Hermine Körner. “Die Zeit in Berlin von 1961 bis 1972 war prägend für mich. Wir besuchten ja nicht nur die Aufführungen im Westen.“ Inszenierungen an der Volksbühne, am Deutschen Theater und das Maxim-Gorki-Theater in Ost-Berlin bereicherten den Wissensschatz den jungen Michael Bilstein. Wie seine Kollegin Claudia Scherb, die seit 2002 als Dramaturgin am Forum tätig ist, im Gespräch ebenfalls sagte: Es ist wichtig, seine Sehgewohnheiten zu schärfen. 

 

Ständiges Schauen stärkt das Qualitätsbewusstsein und hat ihm wie ihr Mut gemacht auch Unbequemes zu probieren. Der „Workshop zeitgenössische Musik“ gehörte zu solchen Versuchen in der Ära Bilstein. Stücke der Komponisten Karlheinz Stockhausen, John Cage und Helmut Lachmann fanden mit dem Agam-Saal gute Akustik und perfekt Kulisse für – zugegeben – einen kleinen Kreis an Besuchern. Man setzte Akzente, zu denen auch das Stück „Minetti“ von Thomas Bernhard gehörte. Der Schauspieler Minetti selbst trat auf und verwandelte die Unruhe des Publikums in Konzentration. Das legendäre „Grips-Theater“ aus Berlin zeigte die Auseinandersetzung mit der antiautoritären Erziehung … es war und ist Bewegung im Form.  

 

„Der Kreis von Kennern ist kleiner geworden, scheint mir. Und auch das Fernsehen bringt nicht mehr so häufig Übertragungen von Schauspiel oder Tanz“, bemerkt Dr. Bilstein eher mit Bedauern als Ärger. „Wie wichtig ist da die Arbeit des Forums!“ Man pflichtet ihm gerne bei.

FORUM-GESCHICHTE(n) #3
Vertrauen hat im Forum ein festes Engagement

Pro Spielzeit richten sich 15 bis 18 Veranstaltungen des Forums an Kinder und Jugendliche. In den meisten Fällen verschwindet das Handy in der Tasche und die Aufmerksamkeit gehört der Bühne. Was in den jungen Menschen vorgeht? Welche Inspirationen sie mitnehmen? Das ist ganz individuell. Die Dramaturgin Claudia Scherb hat allerdings eine Ahnung vom Spektrum der Emotionen. Sie stellt mit einem Vorlauf von mehreren Monaten, ja manchmal Jahren, die Stücke zusammen für das Kinder- und Jugendtheater sowie für Tanz, Schauspiel und Musiktheater. Insgesamt sind es 40 bis 42 Vorstellungen pro Spielzeit. Eine Grundschullehrerin sagte einmal zu Claudia Scherb: „Wir vertrauen Ihrer Auswahl“ und formulierte, was jede Spielzeit über die Inhalte hinaus so wertvoll macht: Vertrauen.

 

Das Forum ist ein Gastspielhaus. Das heißt, jedes Ensemble ist quasi zu Besuch. Das erfordert viel Einfühlungsvermögen und Professionalität auf allen Seiten. Die Beziehung zwischen Veranstalter, Künstler und Publikum basiert auf Vertrauen und funktioniert in jede Richtung. So weiß Claudia Scherb, dass die Theaterleute ihr Publikum während der Vorstellung spüren – egal wie laut sie auf der Bühne sprechen oder wie schnell sie sich bewegen. Zwar fühlen sich Zuschauerinnen und Zuschauer im Dunkel des Raums verborgen, doch das täuscht. Von der Bühne aus hören und sehen die Akteure in den Saal und erleben die Reaktionen – Konzentration, Staunen, Unruhe, Abneigung. Immer liegt der Wunsch einer Kompanie darin, eine vertrauensvolle Beziehung zum Publikum aufzubauen. Gelingt das, sagt man in Künstlerkreisen: „Das Publikum hat mitgeatmet.“

 

Überhaupt bekommt Claudia Scherb regelmäßig positives Feedback von den Akteuren. „Ihr habt hier im Forum ein tolles Publikum“, hört sie immer wieder hinter den Kulissen und freut sich auch anlässlich des Jubiläums zum 50. Geburtstag das Kompliment an die Besucherinnen und Besucher weiterzugeben. Bei jedem Gastspiel, das sie als Dramaturgien verantwortet, mischt sie sich unter das Publikum und nimmt ihren Dienstplatz ein. So amtlich nennt man die zwei äußeren Sitze in Reihe 12. Von hier erreicht Claudia Scherb schnell das Foyer und ist rasch hinter der Bühne – falls doch einmal Unvorhergesehenes passiert. 

 

In ihrer 30-jährigen Berufslaufbahn erlebte Claudia Scherb über 2.000 Inszenierungen, viele als „Scout“ für das Forum. Die erfahrene Dramaturgien freut sich: Es gibt immer noch Produktionen, die sie ins Staunen versetzen. Passen Qualität, Technik und Finanzen sowie die Balance im Programm, nimmt Claudia Scherb Kontakt auf und versucht solch ein aufregendes Stück ins Forum zu lotsen. Sie hat sich Offenheit bewahrt und teilt sie gerne mit dem Forum-Publikum in Leverkusen.

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Claudia Scherb. Nach dem Magisterstudium der Germanistik, Romanistik und Theaterwissenschaften ging sie unter anderem an die Wuppertaler Bühnen und arbeitete dort von 1991 bis 1994 in der Öffentlichkeitsarbeit mit. „Auf das Forum als Spielstätte für großartige Aufführungen, vor allem im zeitgenössischen Tanz, wurde ich damals schon aufmerksam und erlebte hier 1994 Gastspiele wie Kresniks Tanzstück ‚Francis Bacon’ mit Ismael Ivo und Tero Saarinen oder 1999 Meryl Tankards Tanztheater aus Australien.“

 

Aber auch die feinen, kleinen Spielformen schätzt Claudia Scherb, seit sie 2002 ihre Arbeit als Dramaturgin im Forum aufnahm. „Der Eiserne Vorhang hat eine runde Form und schließt vor dem Orchester ab. Dadurch schaffen wir eine Studiobühne im großen Saal, wo das Publikum nah am Spielgeschehen ist und doch alle technischen Möglichkeiten der Bühne genutzt werden können.Ein Traum!“

 

Wie tief und vertrauensvoll die Beziehung zwischen Publikum und Kompanie sein kann, zeigt eine Begebenheit aus dem Jahr 2007. Choreograph, Tänzer und Musiker Eric Gauthier war mit seiner gleichnamigen Company eingeladen. Die Proben liefen, als Eric Gauthier erfuhr, dass die Ehefrau eines Tänzers unerwartet kurz vor der Entbindung stand. Er schickte seinen Tänzer zurück nach Stuttgart und disponierte um. Das Ensemble und natürlich die gesamte Technik des Forums stellten sich sofort darauf ein. Bevor sich der Vorhang hob, trat Eric Gauthier vor das Publikum und erklärte, warum es Änderungen im Programm geben würde und erhielt für seine Entscheidung warmherzigen Applaus – man kannte sich bereits und hatte viel Vertrauen. Das wurde nicht enttäuscht! Das Publikum war von der Vorstellung begeistert. Der Applaus wollte kaum enden, als der Choreograph nach der Vorstellung verkündete: Das erste Gauthier Dance-Baby ist auf der Welt!   

FORUM-GESCHICHTE(n) #4
„F“ wie Freiheit … Und wie Forum

Türen? Gibt es im Forum da, wo sie wirklich gebraucht werden. Eingang, Großer Saal, Kinosaal, Clubräume, Agam-Saal, VHS-Hörsäle, Verwaltungsbüros und … die Toiletten lassen sich schließen. Sonst heißt es: Bitte eintreten!

 

Die Freiheit der Kunst kann sich an so einem Ort vollkommen entfalten. So sehr, dass die Türen des Großen Saals in ihrer Geschichte auch schon mal zum Ausdruck des Missfallens benutzt wurden. Eine Inszenierung des Dramas Endspiel von Samuel Beckett verließen die Gäste Mitte der 1980er-Jahre unter Protest und eben türenknallend. 

 

Türen zu und Augen auf: Eine junge Frau erlebte diesen Eklat als Impuls. Anke Holgersson leitet heute das Kulturbüro in Leverkusen. Damals hatte die Schülerin ein Abonnement und liebte es, im Forum zu sein. Leichte Unterhaltung wie Die Fledermausvon Johann Strauss standen ebenso auf dem Programm wie anspruchsvolle Inszenierungen, zu denen Endspielmit karger Kulisse und provozierenden Dialogen gehörte. Für die einen war es ein Aufreger. Für Anke Holgersson ein Grund genauer hinzuschauen und schließlich Theaterwissenschaften zu studieren. 

 

Innere Türen öffnen und neue Einblicke gewähren: Das gelingt im Forum auf vielen Ebenen mit dem Theater- und Konzertbetrieb, den Kursen der Volkshochschule und der Möglichkeit, sich selbst einmal auf der Bühne auszuprobieren, zum Beispiel bei Abibällen oder Schultheateraufführungen. Auch die Freie Szene Leverkusens ist immer wieder zu Gast. So führen beispielsweise die drei Institutionen Studiobühne, matchboxtheater und Junges Theater Leverkusen anlässlich des Forum-Geburtstags gemeinsam die Inszenierung Gretchen 89ff, ein Theaterkabarett von Lutz Hübner, auf. 

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Anke HolgerssonDie Leverkusenerin hat Theaterwissenschaften in Köln und London studiert. Seit 2002 leitet sie das Kulturbüro und freut sich, gemeinsam mit ihrer Kollegin Yvonne Klefisch, die Freie Kulturszene ihrer Heimatstadt zu fördern. Viele Projekte hat das Kulturbüro in Leverkusen umgesetzt. Große Erfolge feiert die Leverkusener Kunstnacht. Sie findet jährlich statt und wurde vom Kulturbüro zusammen mit den Akteurinnen und Akteuren der Freien Szene entwickelt.Buchstäblich nicht mehr wegzudenken: Levliest – ein Format, das von Stadtbibliothek und Kulturbüro gemeinsam entwickelt wurde und die Stadt alle zwei Jahre mit dem Lesefieber anstecktAuch bei den vom Land NRW geförderten Initiativen KulturstrolcheKulturrucksacksowie Kultur und Schulemit und für Jugendliche arbeitet das Kulturbüro erfolgreich mit den Leverkusener Künstlerinnen und Künstlern zusammen.

 

„Das Haus war für mich als Teenager das Tor in eine andere Welt, voller Glamour. Ich habe das Forum immer mit einem Kribbeln im Bauch betreten und die besondere Atmosphäre gespürt. Ich weiß nicht, ob ich ohne die Aufführungen, die ich hier erlebt habe, auf die Idee gekommen wäre, mich für ein Theaterstudium zu entscheiden. Ich hätte nicht zu träumen gewagt, einmal selbst hier arbeiten zu dürfen“, sagt Anke Holgersson über ihre Beziehung zum Forum.

 

Während des Studiums meinte das Schicksal es gut mit der jungen Frau: Das Arbeitsamt vermittelte ihr einen Studentenjob im Forum – es sollte eine Ausstellung aufgebaut werden. Der direkte Weg von der Anlieferung zu den Räumen führte über die Bühne. Die tanzbegeisterte Studentin wähnte sich alleine, pausierte die Schlepperei der Kisten und legte einen kurzen Stepptanz hin. Prompt gab es Applaus von den bis dahin verborgenen Tontechnikern und Beleuchtern.

     

FORUM-GESCHICHTE(N) #5
Spielerisch die Perspektive wechseln: Der Agam-Saal ist Konzept

Im ersten Stock links betritt man den Saal, bewegt sich und dann passiert es: Die Wände bewegen sich ebenfalls! Was ist hier los? Magie ist nicht im Spiel. Aber zauberhaft wirkt die Rauminstallation schon. Der israelische Künstler Yaacov Agam verwandelte den sechseckigen Veranstaltungssaal komplett in ein kinetisches Kunstwerk. Dafür wurden dreieckige Paneele angebracht. Deren grafische und farbliche Gestaltung hat Agam so geschickt ausgearbeitet, dass die Bewegung des Betrachters zwei verschiedene Motive formt: eines vorwiegend schwarz und weiß gestaltet, das andere in klaren Farbtönen. Das Stadium dazwischen regt die Neugier an.

 

Weg vom Schwarz-Weiß-Denken, hin zur Farbe! Dieses Konzept liegt auch einer Musicalproduktion zugrunde, die anlässlich des 50. Forum-Jubiläums im Agam-Saal aufgeführt wird. Gesangsklasse und Rhythmusgruppe der Musikschule Leverkusen entwickelten ein Stück, das auf der Geschichte von Romeo und Julia basiert. Ihre Liebe überwindet den Kampf oppositioneller Clans. Die multikulturell geprägte Gruppe junger Künstlerinnen und Künstler übertrug das Bild auf die spannungsgeladene Weltpolitik und ergründete, wie Menschen mit verschiedenen Auffassungen zueinander kommen können. Somewhere, there’s a place to beist eine anspruchsvolle Arbeit, umgesetzt zu Musik von Leonard Bernstein, George Gershwin, Cole Porter und Christopher Klassen – einem ehemaligen Schüler der Musikschule Leverkusen. Pur, rein, echt: Unplugged singen und musizieren die jungen Künstlerinnen und Künstler im Agam-Saal, einem Raum für neue Perspektiven. 

 

Apropos Perspektiven: Der Chor hat mit dieser Produktion eine echte Wandlung erfahren durch Helena Krassa. In Leverkusen steht sie mit ihrem Ballettstudio für Tanzkultur und wirkt in vielfältigen Produktionen mit. Bei Somewhere, there’s a placeto beführte sie Regie und von ihr stammte die Choreografie für einen tanzenden Chor. Das ist einzigartig und gelungen. Die Sängerinnen und Sänger konnten neue Fähigkeiten entwickeln. Praktischer Perspektivwechsel!

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Camille van Lunen. Zusammen mit der Pianistin und Korrepetitorin Elke Schäfer-Ludin gibt die Sängerin und Komponistin ihr umfassendes Wissen seit 30 Jahren begeistert unter anderem an die Gesangsklasse der Musikschule der Stadt Leverkusen weiter. 

 „Die Zusammenarbeit mit der professionellen Ballettlehrerin Helena Krassa für unser Musical im Sommer 2019 hat auch mir neue Perspektiven eröffnet: Gesang fusionierte mit Tanz. Das war toll!“  

 

„Für meine Schüler ist der Besuch einer Produktion im Forum so wertvoll wie 10 Unterrichtsstunden“, gibt die erfahrene Pädagogin freimütig zu. „Sie ziehen Energie und Motivation aus den Stücken, die professionelle Ensembles hier darbieten. Das gibt unserer Arbeit wertvolle Impulse.“ 

FORUM-GESCHICHTE(N) #6
Ohrstöpsel, Bonbons und Nähzeug? Die Information leistet erste Hilfe in jeder Form und Lebenslage

Man traut seinen Ohren nicht: Es gibt Besucher, denen ein Konzert schlicht zu laut ist. Das passiert zwar selten, aber auch für solche Fälle ist man im Forum Leverkusen gerüstet. Ohrstöpsel gibt es bei der Information im Foyer.

 

Und nicht nur das. Bonbons gegen Hustenreiz, Papiertaschentücher bei Schnupfen oder Rührung liegen genauso bereit wie Pflaster für kleine Verletzungen. Unsere Information ist quasi die Mutter aller Serviceleistungen im Haus. Eigentlich erhalten Besucher hier Information – wie der Name ja schon verrät. Doch das Team hinter dem Tresen aus Stein hat ein Herz aus Schokolade. Es schmilzt bei jeder Anfrage, die freundlich gestellt wird. Selbst aufgebrachte Forderungen werden mit Ruhe, Sorgfalt und vielleicht etwas geringer ausfallendem Schmelz bearbeitet. 

 

Warum funktioniert die Schranke im Parkhaus nicht? Wieso ist das Konzert ausgebucht? Wie komme ich zum Spanischkurs für Anfänger? Das Team der Information nimmt sich wirklich jeder Frage und Beschwerde persönlich an. Man bildet die Verbindung zu Kooperationspartnern wie den Parkhausbetreibern (denn APCOA ist kein städtisches Unternehmen) sowie zur Volkshochschule, die ebenfalls im Forum beheimatet ist. Die interne Verbindung klappt sowieso durch regelmäßige Teambesprechungen.   

 

Das Forum ist ein offenes Haus für alle Bürger der Stadt. Man erlebt Kultur in vielen Facetten und das soll gelingen. Die Mitarbeiter der Information sind Empfangskomitee, medizinische Erstversorger, Weiterhelfer bei allen Fragen … die Liste kann jeder Gast unseres Hauses individuell ergänzen.

 

Welche Bezeichnung würde wohl die Besucherin der Ü-30-Party wählen, die mit zerrissenem Trageriemen der Handtasche aufkreuzte? Ganz praktisch veranlagt griff die Mitarbeiterin zum Nähzeug, reparierte das Täschchen und entließ die glückliche Dame zurück ins Vergnügen … Zeugwart für Tanzwütige? Egal, wie man die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Information nennt: Sie sind mit Herz und Hand dabei!

 

Die Inspirationen zu dieser Forum-Geschichte stammen von Andrea Kühl. Die Leiterin der Verwaltung kümmert sich um die administrative Struktur des Forums. Verträge mit Künstlern wie für Vermietungen arbeitet sie individuell aus, erstellt jedes Jahr den Wirtschaftsplan, organisiert das Kartenbüro, den Hostessdienst und auch die Information – um nur einige Arbeitsfelder zu nennen.

 

Einmal wurde ihr Büro für einen Filmdreh als Schauplatz gewählt. „Unglaublich, wie viele Leute da reinpassen!“ erinnert sich Frau Kühl. „Neue Farbe und anderes Interieur hatten den Raum komplett verwandelt. In der kurzen Filmszene habe ich mein Büro nicht wieder erkannt. So entstand eine Bühne hinter der Bühne“, erklärt sie mit einem Augenzwinkern.