
Hamburger Kammerspiele
Inszenierung: Albert Lang, Ausstattung: Peter Schubert
Mit Michael Degen, Mehdi Moinzadeh, Elisabeth Degen, Anne-Marie Kuster, Tugsal Mogul
Sitzplan:
Hans, ein älterer Junggeselle, betreibt eine kleine Bäckerei in Amsterdam. Dabei hilft ihm Nora, eine junge Frau, die sich langsam von ihrem Traum, Tänzerin zu werden, verabschiedet. Einmal die Woche bekommt er Besuch von Sonja, einer nicht mehr ganz so jungen Prostituierten. Sein Leben verläuft in ruhigen Bahnen, bis eines Tages Hooligans einen jungen Mann durch seine Schaufensterscheibe stoßen. Hans kümmert sich um den Verletzten, der auf keinen Fall ins Krankenhaus will. Mahmoud – nur widerstrebend gibt er seinen Namen preis – stammt aus Palästina und hält sich illegal in den Niederlanden auf. Weil Ajax sein Lieblingsfußballverein ist, kam er nach Amsterdam. Hans teilt seine Liebe zum Fußball und auch zum Backgammon. Als der Junge beim Backgammon nicht das Geld erspielt, mit dem er die Scheibe bezahlen wollte, macht ihm Hans das Angebot, in seiner Bäckerei zu arbeiten. Mahmoud lernt backen. Er verliebt sich in Nora und will mit ihr eine Familie gründen. Und Mahmoud erfährt, dass Hans Jude ist. Nach und nach rollen sich die Geschichten dieser beiden Menschen auf, die der Zufall zusammen führte. Dann taucht Ashraf auf und erinnert seinen Bruder Mahmoud erpresserisch an seine Pflichten im politischen Kampf …
Kraiems ebenso eindringliches wie spannendes Stück wirft die Frage auf, ob Menschen Subjekte oder Objekte der Geschichte sind. Hätte sich Mahmoud aus den Zwängen seiner politischen Vergangenheit befreien können? Konnte oder kann Hans es? Eliam Kraiem ist dreißig Jahre alt, Sohn eines Israeli und in New Mexico aufgewachsen. „Sechzehn Verletzte“ ist sein erstes Theaterstück, das letztes Jahr mit großem Erfolg am Broadway aufgeführt und mit Preisen ausgezeichnet wurde.
Pressestimme zu Deutschen Erstaufführung in Hamburg:
"Was für ein fulminanter Theaterabend! Die Kammerspiele eröffneten die Saison mit der
deutschsprachigen Erstaufführung von Eliam Kraiems "16 Verletzte". Das wunderbar
stimmige, gut gebaute Stück packt ein heißes Eisen an: den islamistischen Terrorismus. In der
gelungenen, kraftvoll-ruhigen Inszenierung von Albert Lang wird das packende Zeitstück zu
einer schauspielerischen Meisterleistung des gesamten Ensembles ...
Anhand von fünf Personen entwickelt Kraiem sein zentrales Thema:
Liebe und Freundschaft unter Menschen, deren religiöse, politische und soziale Rollen
gegensätzlicher nicht sein könnten. Der Holocaust-Überlebende Hans, den eine unerfüllte
Liebe mit der russischen Prostituierten Sonja (Anne-Marie Kuster) verbindet, nimmt Mahmoud
bei sich auf. Der freundet sich mit Hans an und verliebt sich in dessen Angestellte Nora
(Elisabeth Degen).
Brillant zeigt Michael Degen als Hans wahre menschliche Größe. Ein Mann, der Hass und Wut
überwindet und zu echtem Mitleid fähig ist. Ihm ein ebenbürtiger Gegenspieler ist Mehdi
Moinzadeh, dessen unbeherrschter Mahmoud schwer mit seinem Judenhass zu kämpfen hat.
Nur für einen - allerdings intensiven - Augenblick scheint die Möglichkeit einer heilen Welt zum
Greifen nahe. Denn das Stück zeigt beides: die Chance zur Versöhnung ebenso wie die
Unfähigkeit der Menschen, aus ihren fest gefügten Rollen auszubrechen. Am Schluss viel
Jubel im Publikum, aber auch große Nachdenklichkeit." Hamburger Morgenpost.